Marke unzulässig - warum ?

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Dieter B
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Marke unzulässig - warum ?

Postby Dieter B » Sun Feb 19, 2017 6:34 pm

Anbei eine Drucksache von Ostberlin nach Westberlin vom 5.2.49. An sich sollte dies völlig ok sein, da Ostmarke verwendet. Deshalb ist das "Marke unzulässig" eigentlich nicht zu erklären. Ausser es wurde der Beleg zuerst in Westberlin aufgegeben und da die Marke nicht mehr als gültig innerhalb von Westberlin gebraucht werden durft wurde das Marke unzulässig mit Rücksendung an den Absender aufgebracht. Dieser hat dann die Marke in Ostberlin (N4) aufgegeben. Andere Meinungen ?
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wolfgang
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Re: Marke unzulässig - warum ?

Postby wolfgang » Wed Feb 22, 2017 10:26 am

Guten Tag, Dieter Beckers Interpretation ist richtig: hier wurde wohl eine Postkarte mit Ost-Marke in West-Berlin aufgegeben, wo zu diesem Zeitpunkt die Ost-Marken nicht mehr gültig waren. Derartige Belege sind auf jeden Fall interessant und passen auch in Berlin- oder Berlin-Währungsreform-Sammlungen, weil sie Beweis darüber ablegen, welche Schwierigkeiten unbedarfte Westberliner Postkunden dabei hatte, richtig zu frankieren. Später wurde dann die Karte im Osten neu aufgegeben; meist ist in solchen Fällen dann der "Zurück"-Stempel durchgestrichen, um Konfusion zu vermeiden.
Aber es ist kein Postkriegsbeleg, ganz einfach deshalb, weil der Absender eine in Westberlin ungültige Marke verwendet hat. Für einen Postkriegsbeleg hätte es einer bei der Versender-Post GÜLTIGEN Marke bedurft, die dann aber von der Empfänger-Post aus politischen Gründen nicht als gültig anerkannt worden wäre.
Es gibt in diesem Bereich auch eine Anzahl verschiedener Westberliner Nebenstempel ("Ungültig" oder "Es müssen Westberliner Marken verwendet werden" oder, oder). Ihnen ist allen gemeinsam, dass sie sich NICHT auf Postkriegsbelegen finden.
Ich werde vielleicht noch einmal auf diesen speziellen Nebenstempel zurück kommen.
Wolfgang Elsner
wolfgang
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Re: Marke unzulässig - warum ?

Postby wolfgang » Tue Mar 07, 2017 8:24 am

Wie es so ist: manchmal sollte man erst nachdenken, bevor man schreibt. Das gilt auch für meine erste Antwort. Ich habe mir diesen Beleg noch einmal angeschaut und - nach dem Nachdenken - bin ich zu folgender Schlussfolgerung gekommen.

Absender und Adressat befinden sich in Westberlin, aber der Absender hat die Karte in Ostberlin aufgegeben. Warum? Weil das Porto in Ostberlin, in Ostmark bezahlt, wesentlich billiger war als es in Westberlin, mit teurer neuer Westmark zu bezahlen, gewesen wäre. Solche Sendungen nutzten also das Währungsgefälle aus. Aber dadurch gingen der Westberliner Post Einnahmen verloren und sie schickte - wenn auch alles andere als systematisch - solche Post zurück. Und so scheint es auch hier gewesen zu sein. Die Regeln erlaubten so ein Vorgehen.

Der Nebenstempel aber, bzw. ein bestimmter Teil des Nebenstempels, erinnerte mich an einige andere Belege, die genau den gleichen Nebenstempel tragen. Er ist aus einem Setzkasten gefertigt, und nun ist es sicher so, dass Setzkästen in mehr als einem Exemplar hergestellt wurden und bei Postämtern weit verbreitet, weil nützlich, waren. Aber ein ganz spezieller Teil dieses Nebenstempels ist identisch mit einem Beleg, den ich als gefälscht identifiziert habe. Und da dieser spezieller Teil eben bei der Anfertigung eines Nebenstempels aus einem Setzkasten eben nicht automatisch und unweigerlich entsteht, gehe ich davon aus, dass dieser Nebenstempel falsch ist. Aber immerhin kannte sich der Fälscher mit der Westberliner Postgeschichte jener Zeit aus, denn auf den ersten Blick passt alles schön zusammen.

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